Die meisten Verabschiedungen scheitern nicht am guten Willen, sondern an der Planung. Es gibt Kuchen, es gibt ein Geschenk, und dann stehen dreißig Leute im Halbkreis und niemand weiß, wer anfängt. Nach zehn Minuten löst sich das Ganze in Kleingruppen auf und der Mensch, um den es ging, steht mit seinem Präsentkorb daneben.
Das lässt sich verhindern, und zwar mit erstaunlich wenig Aufwand. Es braucht eine verantwortliche Person, einen groben Ablauf mit vier Punkten und jemanden, der zwei Sätze sagt. Alles darüber hinaus ist Kür. Diese Seite geht den Ablauf durch, vom ersten Termin bis zur Nachfolgefrage, die im Team meistens unausgesprochen mitläuft.
Der Ablauf in vier Punkten
- Begrüßung durch eine Person, maximal eine Minute.
- Kurze Rede mit einem konkreten Rückblick, drei bis fünf Minuten.
- Übergabe von Geschenk und Blumen.
- Programmpunkt: Lied, Gedicht oder Spiel, danach offener Teil.
Wer organisiert und wann ihr anfangen solltet
Der häufigste Organisationsfehler ist geteilte Verantwortung. Wenn drei Personen sich zuständig fühlen, macht am Ende niemand die Einladung. Legt deshalb eine Person fest, die den Hut aufhat, und gebt ihr zwei Helfer für Geschenk und Verpflegung.
Der richtige Vorlauf sind vier bis sechs Wochen. Das klingt viel für eine Kaffeerunde, ist aber nötig, sobald jemand von außerhalb kommen soll: ehemalige Kollegen, Menschen aus anderen Standorten, manchmal Familie. Genau diese Gäste machen den Unterschied zwischen einer netten Pause und einem Abschied, an den sich jemand erinnert.
Und klärt früh die wichtigste Frage: Was will die Person selbst? Ein Teil der Verabschiedeten mag den großen Rahmen, ein anderer möchte in Ruhe gehen. Eine Überraschungsfeier für jemanden, der das nicht mag, ist gut gemeint und trotzdem daneben. Ein kurzes Gespräch mit einer engen Kollegin klärt das.
Die Rede: kurz, konkret, ohne Lebenslauf
Die typische Abschiedsrede ist ein Personalakt in gesprochener Form: eingetreten 1987, Wechsel in die Abteilung 1994, Prokura 2008. Das interessiert niemanden, den Geehrten am wenigsten. Eine gute Rede besteht aus drei Teilen und dauert unter fünf Minuten.
Zuerst eine konkrete Situation, an der alle im Raum merken, dass hier jemand genau hingeschaut hat. Nicht sie war immer hilfsbereit, sondern die Geschichte, in der sie an einem Freitagabend geblieben ist, als die Anlage ausgefallen war. Dann ein Satz darüber, was ohne diese Person anders sein wird. Und zum Schluss eine Aussicht auf das, was jetzt kommt, ohne Kalauer über Gartenarbeit.
Wer selbst reden muss und nicht weiß, wie er anfängt, findet den Aufbau samt Formulierungshilfen in der Anleitung für die Abschiedsrede zum Ruhestand.
Lied, Gedicht und Umdichtung
Der wirksamste Programmpunkt einer Verabschiedung kostet kein Geld. Ein bekanntes Lied mit umgedichtetem Text, gesungen von der Abteilung, schlägt jedes Präsent. Der Grund ist simpel: Es ist der einzige Teil des Abends, den niemand kaufen kann, und alle sehen, dass jemand Arbeit hineingesteckt hat.
Zwei Wege funktionieren zuverlässig. Der erste ist die Umdichtung einer Melodie, die alle kennen. Nehmt ein Lied mit einfacher Strophenform, schreibt drei Strophen über die gemeinsame Zeit und einen Refrain, der sich wiederholt, damit auch die mitsingen können, die den Text nicht kennen. Der zweite Weg ist ein gesprochenes Gedicht, wenn im Team niemand singen mag. Konkrete Textbeispiele und Reimhilfen stehen bei den lustigen Gedichten zum Ruhestand.
Ein praktischer Hinweis aus der Erfahrung mit solchen Auftritten: Probt einmal komplett durch, und zwar stehend und laut. Texte, die am Schreibtisch gut klingen, brechen im Raum zusammen, wenn die Strophe zu lang ist oder der Reim nicht auf die Melodie passt. Druckt den Text für alle aus, auch wenn ihn angeblich jeder kann.
Spiele und Programmpunkte, die nicht peinlich werden
Spiele bei Verabschiedungen haben einen schlechten Ruf, und meistens zu Recht. Die Grenze verläuft dort, wo der Geehrte zum Objekt wird. Alles, bei dem er etwas vorführen muss, ist riskant. Alles, bei dem er zuschaut oder mitraten darf, funktioniert.
- Das Quiz über den Geehrten. Zehn Fragen, die der Rest des Teams beantwortet, während er danebensteht und sich amüsiert. Fragen vorher bei der Familie einsammeln.
- Die Zeitreise. Fotos aus verschiedenen Jahren, das Team rät die Jahreszahl. Braucht nur einen Beamer und eine halbe Stunde Vorbereitung.
- Der Staffelstab. Symbolische Übergabe an den Nachfolger, kurz und mit einem Augenzwinkern. Funktioniert gut, wenn die Nachfolge geklärt ist, und gar nicht, wenn nicht.
- Die Wunschbox. Jeder schreibt vorab einen Wunsch auf eine Karte, die Karten werden vorgelesen. Ruhig, aber oft der Moment, an dem es still wird.
Weitere Vorschläge samt Zeitbedarf und Gruppengröße stehen bei den Spielen zum Abschied in den Ruhestand.
Deko und Rahmen
Deko darf schlicht bleiben, sie soll nur signalisieren, dass hier etwas Besonderes stattfindet und nicht die Montagsbesprechung. Eine Girlande, ein paar Ballons, ein reservierter Platz für den Geehrten. Das reicht.
Was tatsächlich Wirkung hat, sind Fotos. Eine Pinnwand oder eine Leine mit Bildern aus den Arbeitsjahren zieht die Leute vor Beginn zusammen und liefert Gesprächsstoff, ohne dass jemand moderieren muss. Wer Material sucht, findet Deko und Girlanden zum Ruhestand (Werbung) und Fotoleinen zum Aufhängen (Werbung).
Zum Rahmen gehört auch der Ort. Ein Besprechungsraum mit Kuchen auf dem Tisch ist in Ordnung, ein Raum mit Stehtischen deutlich besser, weil die Leute in Bewegung bleiben und nicht in Sitzgruppen festfrieren.
Wer übernimmt? Die Nachfolgefrage im Team
Wenn eine Führungskraft oder eine langjährige Fachkraft in Rente geht, läuft im Team eine zweite Frage mit, über die selten offen gesprochen wird: Wer macht das jetzt? Diese Frage sollte vor der Feier beantwortet sein, nicht auf ihr.
Ist die Nachfolge geklärt, gehört ein Satz dazu in die Rede, mehr nicht. Ein kurzer Hinweis, dass die Aufgaben in guten Händen sind, nimmt Unruhe aus dem Raum. Die symbolische Übergabe an den Nachfolger ist dann ein schöner Programmpunkt.
Ist die Nachfolge nicht geklärt, lasst das Thema auf der Feier komplett weg. Eine Verabschiedung ist der falsche Ort für Personalfragen, und jeder Halbsatz dazu erzeugt Flurfunk statt Abschiedsstimmung. Klärt stattdessen vorher intern, wer in den ersten Wochen Ansprechpartner ist, damit die Kollegen nicht im Leeren stehen. Und plant, ganz praktisch, eine Übergabezeit ein: Zwei bis vier Wochen Überlappung sind bei Fachkräften mit Spezialwissen keine Höflichkeit, sondern Notwendigkeit.
Die häufigsten Fehler
- Kein fester Startpunkt. Ohne Ansage beginnt nichts. Eine Person eröffnet, sonst zerfasert es.
- Zu lange Reden. Ab fünf Minuten sinkt die Aufmerksamkeit spürbar, ab zehn schauen die ersten aufs Handy.
- Der falsche Zeitpunkt. Letzter Arbeitstag, später Nachmittag: die halbe Belegschaft ist schon weg.
- Alterswitze. Funktionieren in der Rede noch seltener als beim Geschenk.
- Niemand fotografiert. Am Ende gibt es kein einziges Bild. Legt eine Person fest.
- Keine Verabschiedung nach außen. Langjährige Kunden und Partner erfahren es zufällig. Eine kurze Nachricht gehört dazu.
Häufige Fragen
Wie lange sollte eine Verabschiedung in den Ruhestand dauern?
Der offizielle Teil zwischen fünfzehn und dreißig Minuten, danach ein offener Teil, der so lange läuft, wie die Leute bleiben. Ein durchgeplanter Nachmittag überfordert die meisten Anlässe.
Wer hält die Rede bei einer Verabschiedung?
In der Regel die direkte Führungskraft, bei der Verabschiedung einer Führungskraft deren Vorgesetzter. Zusätzlich ist ein kurzer Beitrag aus dem Kollegenkreis fast immer der ehrlichere und beliebtere Teil.
Was kostet eine Verabschiedung im Team?
Ohne Geschenk liegen Verpflegung und Deko meist zwischen 50 und 150 Euro, je nach Gruppengröße. Klärt vorher, ob die Firma sich beteiligt, das ist häufiger möglich als angenommen.
Muss man als Kollege bei einer Verabschiedung etwas sagen?
Nein, aber ein bis zwei kurze Beiträge aus dem Team machen den Unterschied. Zwei Sätze reichen, eine ausformulierte Rede ist nicht nötig.
Was tun, wenn die Person keine Feier möchte?
Respektieren und klein machen. Ein gemeinsames Mittagessen mit dem engsten Kreis, Geschenk und Karte. Eine große Feier gegen den ausdrücklichen Wunsch ist kein Geschenk.
Weitere Ratgeber
- Abschiedsgeschenk für den Chef: der passende Rahmen für Vorgesetzte.
- Abschiedsgeschenk für Kollegen: Budget, Ideen und Fehlgriffe.
- Lustige Geschenke zum Ruhestand: für den humorvollen Teil des Abends.
