Spiele zum Abschied in den Ruhestand

Spiele bei Verabschiedungen haben einen zweifelhaften Ruf, und der ist verdient. Wer schon einmal zugesehen hat, wie ein 64-jähriger Abteilungsleiter vor dreißig Kollegen einen Sack Kartoffeln sortieren musste, weiß warum. Trotzdem sind gut gewählte Programmpunkte der Unterschied zwischen einer Kaffeepause mit Geschenk und einem Nachmittag, über den man noch redet.

Die Trennlinie ist einfach: Alles, bei dem der Geehrte etwas vorführen muss, ist riskant. Alles, bei dem er zuschaut, miträt oder beschenkt wird, funktioniert. Nach dieser Regel sind die folgenden Vorschläge sortiert, jeweils mit Zeitbedarf und passender Gruppengröße.

Die Grundregel

Der Geehrte ist der Gast, nicht der Kandidat. Sobald er sich beweisen soll, kippt die Stimmung. Sobald andere sich für ihn zum Affen machen, funktioniert es.

Die sicheren Klassiker

Das Quiz über den Geehrten

15 Minuten | ab 8 Personen

Zehn bis fünfzehn Fragen über die Person, beantwortet vom Rest des Teams, während sie danebensteht und sich amüsiert. Die besten Fragen kommen von der Familie: erstes Auto, Lieblingsessen, wie er seine Frau kennengelernt hat. Mischt drei Fragen aus dem Arbeitsleben dazu. Wer die meisten richtig hat, bekommt ein Küchenstück vom Kuchen zuerst.

Die Zeitreise mit Fotos

10 Minuten | beliebig

Zehn Fotos aus verschiedenen Jahren, projiziert oder ausgedruckt. Das Team rät jeweils das Jahr. Braucht eine Person mit Zugang zum alten Bildmaterial und eine halbe Stunde Vorbereitung. Funktioniert auch ohne Technik, wenn die Bilder auf einer Leine hängen.

Die Wunschbox

10 Minuten | ab 6 Personen

Jeder schreibt vorab einen Wunsch oder eine Erinnerung auf eine Karte. Die Karten kommen in eine Box, die vorgelesen und danach übergeben wird. Der ruhigste Programmpunkt der Liste und oft der, bei dem es kurz still wird. Passende Erinnerungsboxen ansehen (Werbung).

Der Staffelstab

5 Minuten | beliebig

Symbolische Übergabe an den Nachfolger, mit einem Gegenstand, der für die Arbeit steht: der Schlüssel, das Werkzeug, die legendäre Tasse. Kurz halten, mit Augenzwinkern. Wichtig: nur machen, wenn die Nachfolge tatsächlich geklärt ist, sonst wird aus dem Gag eine Personalfrage vor Publikum.

Wenn es lauter werden darf

Das Kollegen-Lied

5 Minuten | ab 4 Sängern

Ein bekanntes Lied mit umgedichtetem Text, gesungen von der Abteilung. Der wirkungsvollste Programmpunkt überhaupt, weil er Arbeit sichtbar macht. Braucht eine Probe, stehend und laut, und ausgedruckte Texte für alle. Wer Textbausteine sucht, findet sie bei den lustigen Gedichten zum Ruhestand.

Der Rentner-Führerschein

10 Minuten | ab 10 Personen

Eine theoretische Prüfung für den Ruhestand mit absurden Multiple-Choice-Fragen, abgenommen von zwei Kollegen in ernster Miene. Am Ende gibt es eine Urkunde. Der Geehrte antwortet im Sitzen, das ist wichtig. Urkunden und Vorlagen ansehen (Werbung).

Die Abteilung rät den Beruf

10 Minuten | ab 8 Personen

Umgekehrtes Pantomime-Spiel: Kollegen stellen typische Situationen aus dem Arbeitsalltag des Geehrten dar, er rät, welche Szene gemeint ist. Er sitzt, alle anderen machen sich zum Affen. Genau die richtige Richtung.

Für kleine Runden bis acht Personen

Bei kleinen Gruppen funktionieren Bühnenformate nicht, weil kein Publikum da ist. Hier gewinnen ruhige Formate.

  • Die Runde am Tisch. Jeder erzählt eine Geschichte mit dem Geehrten, zwei Minuten pro Person. Klingt banal, ist bei kleinen Runden das Beste, was es gibt. Eine Person moderiert, damit es nicht ausufert.
  • Der Gutscheinblock. Jeder stellt einen persönlichen Gutschein aus: ein Mittagessen, eine Wanderung, Hilfe beim Regalaufbau. Kostet nichts und hält den Kontakt.
  • Das gemeinsame Kochen. Statt Programmpunkt ein Abendessen, das alle zusammen zubereiten. Braucht eine Küche und mehr Zeit, ersetzt dafür jedes Spiel.

Was ihr besser sein lasst

  • Alles mit körperlicher Anforderung. Sackhüpfen, Eierlauf, Stuhltanz. Der Geehrte kann schlecht ablehnen und macht dann etwas mit, das er nicht will.
  • Verkleidungen für den Geehrten. Rentnerhut, Bademantel, Gehstock als Requisite. Wird als lustig geplant und als Spitze empfunden.
  • Spiele über Fehler aus der Arbeitszeit. Die legendäre Panne von 2011 ist für alle ein Gag und für einen eine alte Wunde.
  • Zu viele Programmpunkte. Zwei reichen. Drei sind das Maximum. Danach wollen die Leute reden, nicht spielen.
  • Spontane Einlagen ohne Absprache. Wer während der Feier eine Idee hat, sollte sie behalten. Der Organisator kennt den Zeitplan.

Der Zeitplan drumherum

Ein Programmpunkt braucht einen Rahmen, sonst versendet er sich. Bewährt hat sich: Begrüßung, kurze Rede, Übergabe von Geschenk und Blumen, dann ein Programmpunkt, danach der offene Teil. Ein zweiter Programmpunkt kann nach etwa einer halben Stunde folgen, wenn die Stimmung trägt.

Rechne pro Spiel großzügig: Was in der Planung fünf Minuten dauert, dauert in Wirklichkeit zehn, weil Leute nachfragen, lachen und dazwischenrufen. Das ist gut so, aber es muss im Plan stehen. Der komplette Ablauf steht bei den Ideen zur Verabschiedung in den Ruhestand.

Das Quiz: fünfzehn Fragen als Vorlage

Das Quiz ist der zuverlässigste Programmpunkt, scheitert aber oft an den Fragen. Zu leicht ist langweilig, zu speziell frustriert. Diese Mischung funktioniert: fünf Fragen aus dem Privatleben, fünf aus dem Arbeitsleben, fünf zum Raten für alle.

  • Welches Auto hatte er als Erstes?
  • Wo war der erste Urlaub mit dem Partner?
  • Welches Gericht kocht sie am häufigsten?
  • Welchen Beruf wollte er als Kind?
  • Wie viele Enkel gibt es?
  • In welchem Jahr hat sie hier angefangen?
  • Wie viele Chefs hat er überlebt?
  • Welches Projekt hat am längsten gedauert?
  • Was steht auf ihrer Tasse?
  • Wie viele Umzüge innerhalb des Hauses waren es?
  • Wie viele Tassen Kaffee pro Tag, geschätzt?
  • Welcher Satz ist am häufigsten gefallen?
  • Wie viele Kilometer Arbeitsweg pro Tag?
  • Welches Werkzeug oder Programm hat sie am meisten geflucht?
  • Was wird sie als Erstes tun, wenn sie morgen aufwacht?

Die letzte Frage ist die wichtigste, weil sie den Übergang zum Ausblick macht. Lasst den Geehrten sie selbst beantworten, das ist meistens der schönste Moment des Nachmittags.

Material und Vorbereitung

Der Aufwand für einen guten Programmpunkt liegt bei ein bis drei Stunden, verteilt auf zwei Personen. Konkret braucht ihr: die Fragen oder Fotos, etwas zum Aufschreiben, einen kleinen Preis für die Gewinner und eine Person, die moderiert und dabei laut genug spricht.

Sammelt das Material früh ein. Der häufigste Grund, warum ein Programmpunkt ausfällt, ist nicht fehlende Lust, sondern dass drei Tage vorher noch keine Fotos da sind. Setzt eine Deadline zwei Wochen vor der Feier und erinnert einmal.

Häufige Fragen

Wie viele Spiele braucht eine Verabschiedung?

Zwei genügen, drei sind das Maximum. Nach dem Programm wollen die Gäste miteinander reden, und genau dafür ist die Feier da.

Was macht man, wenn der Geehrte keine Spiele mag?

Weglassen und stattdessen auf Erzählformate setzen: die Runde am Tisch, die Wunschbox, ein kurzes Lied. Alle drei funktionieren ohne Mitmachzwang.

Welche Spiele funktionieren im Büro ohne Platz?

Quiz, Zeitreise mit Fotos und Wunschbox. Alle drei brauchen nichts außer Sitzplätzen und funktionieren auch im Besprechungsraum.

Wie lange dauert ein Programmpunkt realistisch?

Plane das Doppelte der geschätzten Zeit. Ein Quiz mit zehn Fragen dauert selten unter fünfzehn Minuten, weil zwischendurch geredet wird.

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